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Zwangskabel in Hattersheim

Höchster Kreisblatt (23.07.09):
Mieter wollen Antennen nicht aufgeben

Androhung von Rechtsmitteln - Kein Zwang?

Herr Krietsch, der Geschäftsführer der HAWOBAU, hat mit einem Leserbrief Stellung bezogen über seine Sicht der Dinge:



Dazu muss an die Forderung der Mieterinitiative erinnert werden. Sie will keine Änderung der jetzigen Situation. Die Menschen wollen nur in Ruhe gelassen werden. Sie wollen keine neue Technologie. Sie wollen ihre Programme selbstständig auswählen. Wie sie das seit Jahren tun.

Für sie gibt es keinen Grund, die angedrohte Änderung zu akzeptieren.
Sie wollen nicht noch einmal »unter 10 Euro« pro Monat bezahlen, sie wollen wie bisher ihre Programme sehen. Ist das nicht zu verstehen?
Die HAWOBAU preist ihren Schnäppchenanschluss für 10 Euro an, bei Mietern, die diese 10 Euro bisher nicht ausgeben mussten.

Wir sprechen nicht von den 1.100 Mietern, die freiwillig ihre Kabelprogramme empfangen. Wir sprechen von über 600 Mietern, die »freiwillig« keine Kabelprogramme empfangen. Sie haben zwar alle per Mietvertrag einen Kabelanschluss, aber sie nutzen ihn nicht.

Die Gründe sind wiederholt genannt: Es sind Geringverdiener, HARTZ IV Empfänger, ausländische Bürger.

Der HARTZ IV Empfänger hat keinen Cent im Regelsatz für Bezahlprogramme. Und wenn er am 25. des Monats zur Tafel geht, weil er keine Lebensmittel mehr kaufen kann, dann kann er am 26.des Monats auch keine 10 Euro für die „Schnäppchenprogramme“ der HAWOBAU bezahlen.

So einfach ist die Lage aus der Sicht der Betroffenen.

Und die Drohung: „Weg mit der Schüssel, sonst geht’s vor Gericht“ ist Zwang und Bedrohung durch die HAWOBAU. Es gibt die Zwangsverkabelung, sie soll nur nicht so genannt werden.

Carlo Graf im Auftrag des Hartz-IV-Cafés


Höchster Kreisblatt (12. Juni 2009)
Frankfurter Rundschau (15. Juni 2009)

TV-Zwangskabel nein!

Das Hartz IV Cafe Hattersheim unterstützt Mieter der HAWOBAU-Wohnungen gegen die TV-Zwangsanschlüsse ans Kabelnetz. Warum?


Die HAWOBAU nennt zwei Gründe warum jetzt alle ans Kabel angeschlossen werden müssen.

Erstens: »Die Schüsseln verschandeln die Fassaden«. Ästhetik ist also angesagt. Doch sei die bescheidene Frage erlaubt: Was an der Mehrzahl der Gebäude ist ästhetisch?

Wir stellen fest: Die Mehrzahl der HAWOBAU-Wohnungen ist nicht von Millionären und der Oberklasse bewohnt, sondern von Geringverdienern, Rentnern mit kleiner Rente, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern.

Diese Bewohner haben sich eine Satellitenanlage zusammengespart weil sie ihr Budget kennen und alle anderen Empfangseinrichtungen zu teuer sind. Und die Bewohner mit anderen Muttersprachen haben einen weiteren guten Grund. Sie können Sendungen nicht nur sehen sondern auch verstehen. Uns sie wollen, wie es jedem geht der in einem anderen Land lebt, die Verbindung zu ihrer Muttersprache und Kultur nicht ganz abreißen lassen.


Die Mieter haben also gute Gründe über Satellit zu empfangen: Ihre geringen Einkommen und/oder weil sie Migranten sind.

Und die Schüsseln an Mietshäusern, die den Ästheten stören, sind inzwischen die äußerlichen Symbole von Armut oder Migration oder von beidem.

Und da der Ästhet offensichtlich von beiden nichts wissen will, müssen die Fassaden gesäubert werden. Ähnlich machen es autoritäre Stadtverwaltungen in Entwicklungsländern. Sie lassen unschöne Elendsquartiere mit dem Caterpillar wegwalzen. Davon wird die Armut zwar nicht geringer aber die Optik schöner.

Auch hier werden sich die Armut und die Zeichen der Armut vergrößern. Mal seh'n was unsere Ästheten hier sich noch ausdenken werden.

 

Die zweite Begründung der HAWOBAU: Mieter mit Kabelprogrammen haben sich über die Kosten des bisherigen Betreibers beklagt.

Die „Lösung“ der HAWOBAU. Alle müssen ans Kabel dann wird's billiger. Sie wollen die Armen und Migranten zwangsverkabeln damit die Preise für die verkabelten Normalverdiener sinken. Sozialer geht’s nicht.

Wir denken und hoffen: Sozialer geht’s doch.

Wir bitten alle Bürger, für die Solidarität Bedeutung hat, ihre Stimme zu erheben. Wirken Sie auf die Politiker der Stadt ein. Schließlich ist die HAWOBAU 100%Tochter der Stadt. Sie sollen dem Treiben ein Ende setzen und die Versuche der Geschäftsführung der HAWOBAU stoppen.


So soll es sein: Der einzelne Mieter entscheidet, ob er verkabelt wird, und nicht die HAWOBAU. Der juristische Knüppel wird wieder eingepackt.

 

Carlo Graf (im Auftrag des Hartz IV-Cafés)

Hattersheim, 19.06.2009



Treffpunkt [nicht nur] für Betroffene
Alle 2 Wochen Mittwochs
von 17 bis 19 Uhr

Frankfurter Straße 43
(Am Autoberg)
657195 Hattersheim

Telefon: 06190 - 935712
maintaunussozialpass@Ullrich-graf.de

Nächstes Hartz IV-Café:

Mittwoch, den 29.11. 2017
von 17 bis 19 Uhr.


HARTZ IV Cafe










Das HartzIV Café ist offen für jeden sozialpolitisch interessierten Menschen.


Insbesonder für Hilfesuchende aus den
Bereichen Arbeitslosengeld, Hartz IV -
Bezieher,
Aufstocker in Hartz IV und
Geringverdiener.

Hartz IV-Café: 

Haus St. Martin am Autoberg
Frankfurter Str. 43
65795 Hattersheim

immer Mittwochs im 14 tägigem Rhytmus
von 17.00 bis 19.00 Uhr



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